Bühler Ehrenbürgerschaft für FDP-Mitglied Anneliese Knoop-Graf

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OV Bühl Meldungen | 30. Januar 2006

Anläßlich ihres 85. Geburtstages sowie der erst kürzlich von der Stadt Bühl verliehenen Ehrenbürgerschaft hatte die FDP Bühl zu einem Festakt in den Friedrichsbau eingeladen, um das beeindruckende und umfassende Engagement der Jubilarin zu würdigen. Thematisch hat sich diese insbesondere mit dem Vermächtnis der bekannten Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ beschäftigt, deren Mitglied Willi Graf ihr Bruder war. Ihren Verdiensten entsprechend, war die Zahl der Gratulanten und Laudatoren, die sich bei Anneliese Knoop-Graf, die seit mehr als 30 Jahren FDP-Mitglied ist, bedanken wollten, sehr groß.

Mehr Details zum Festakt sowie zur Person von Anneliese Knoop-Graf finden sich im nachfolgend aufgeführten Zeitungsartikel des „Badischen Tagblatts“ vom 1. Februar 2006.

Badisches Tagblatt vom 1. Februar 2006

Empfang im Friedrichsbau zum 85. Geburtstag/Uni Karlsruhe würdigt Verdienste der Zeitzeugin

Knoop-Graf erhält Ehrendoktorwürde

Bühl (rjk) ? Die Universität Karlsruhe verleiht Anneliese Knoop-Graf für ihre Verdienste um die neuere und neueste Geschichte und ihren Beitrag zum Verständnis der Widerstandsbewegung ?Weiße Rose? die Ehrendoktorwürde. Zudem sollen ihre Arbeiten in einem Sammelband der Hochschule publiziert werden. Das verkündete am Montagabend im vollbesetzten Ratssaal des Friedrichsbaus der Karlsruher Professor Peter Steinbach bei einem Empfang aus Anlass des 85. Geburtstags der frisch gebackenen Bühler Ehrenbürgerin.

Zu der Feierstunde geladen hatten der FDP-Stadtverband und die FDP-Gemeinderatsfraktion. Anneliese Knoop-Graf ? Schwester des im April 1943 von den Nationalsozialisten hingerichteten ?Weiße Rose? Mitglieds Willi Graf ? ist seit 31 Jahren Parteimitglied.

Der FDP-Fraktionsvorsitzende im Bühler Gemeinderat, Jan Rassek, nannte es eine ?weise Entscheidung?, seiner Freundin Anneliese die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. Man habe damit eine Frau gewürdigt, ?die Teil des wärmenden Lichtstrahls war in dunkler, eiskalter Zeit?. Die Jubilarin, die seit Jahrzehnten unermüdlich das Vermächtnis der ?Weißen Rose? weiterträgt, bedankte sich für den Empfang und ließ mit wenigen Sätzen die wichtigsten Stationen ihres Lebens Revue passieren.

Oberbürgermeister Hans Striebel betonte, dass sich die Wahl-Bühlerin, die seit 1969 in Waldmatt lebt, im Einsatz gegen das Vergessen nie geschont habe. Das Stadtoberhaupt überreichte der Jubilarin eine Spieldose mit Mozarts Zauberflöte.

?Es ist eines der größten Geschenke, dass ich dich kennen gelernt habe?, erklärte, sichtlich bewegt, Lutz Jäckel. Und Stefan Zachmann, sein Nachfolger im Amt des Vorsitzenden des Stadtverbands, hatte als Präsent einen Brunch-Gutschein und ein Buch über Berlin im Gepäck.

Professor Ulrich Goll, Justizminister des Landes Baden-Württemberg, machte in seinem Vortrag deutlich, wie rapide sich der Wechsel ?vom Rechtsstaat zum Unrechtsstaat? nach der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 vollzog. ?Schon zwei Monate später war der Rechtsstaat beseitigt.? Einen breiten politischen Widerstand gab es laut Goll nicht, er sei vielmehr in viele Einzelgruppen gespalten gewesen ? eine dieser Gruppen war die ?Weiße Rose? mit rund 100 Mitgliedern.

Nach 1945 wurde der Widerstand lange ignoriert. ?Seine bloße Existenz widersprach dem stets bemühten Argument, man habe ja mitmachen müssen.?  Zudem seien die NS-Funktionsträger nicht konsequent zur Rechenschaft gezogen worden, viele von ihnen seien weiterhin an den ?Entscheidungsstellen? gesessen. ?Erst 1985 wurde im Bundestag festgestellt, dass Freislers Volksgerichtshof ein Terrorinstrument des Nazi-Regimes war.? Lange habe man die Mitglieder der ?Weißen Rose? zu Unrecht als jugendliche Schwärmer begriffen, ?denn sie hatten sehr  wohl politische Vorstellungen?, betonte der Minister. Dank Anneliese Knoop-Graf gebe es heute ein getreues Bild dieser Widerstandsgruppe.

?Wenn jeder wartet, bis der andere anfängt? – aus den Flugblättern der ?Weißen Rose? lautete der persönlich gefärbte, mit Anekdoten gespickte und von Erlebnissen mit der Jubilarin geprägte Vortrag von Peter Steinbach. Der Karlsruher Professor für neuere und neueste Geschichte machte deutlich, dass Widerstand immer auch etwas mit Zukunftsoptimismus und Zivilcourage zu tun habe ? ?mit hinschauen können und hinschauen wollen?. Aus dem Willen zur Wahrnehmung entwickle sich die Fähigkeit zum Handeln. Anneliese Knoop-Graf sei zur Deuterin der ?Weißen Rose? geworden, sie habe den Zugang zu ihr gebahnt.

Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde vom Viktoria Lakissova (Cembalo) und Mark Heinzel (Viola), die Werke von Johann Sebastian Bach, Dominico Scarlatti und William Flackton zu Gehör brachten.